Auszug aus "Goldratt und die Theory of Constraints" von Uwe Techt.
Schicht 2: Und das soll unser Problem lösen?
Fehlende Übereinstimmung zur Lösungsrichtung
Nach der Bestandsaufnahme und Ursachenforschung wird im nächsten Schritt die Richtung der Lösung erarbeitet, ein Schritt, bei dem das „Für und Wider“ der vorgeschlagenen Richtungen kontrovers erörtert wird. Erfahrungsgemäß werden bei der Diskussion möglicher Lösungswege erstmals die Paradigmen der Unternehmensführung berührt; Widerstände bei unorthodox klingenden Vorschlägen sind sehr wahrscheinlich. Denn: es gibt gute Gründe für die bisher praktizierte Vorgehensweise, also dafür, dass die Kernursache nicht schon längst beseitigt wurde; eine positive Absicht ist damit verbunden.
Beispiel: Die „lokalen Effizienzen als dominante Kennzahlen“ wurden verwendet, weil so „Verschwendung vermieden“ werden sollte.
Für die Erarbeitung einer Lösung und die Aufhebung von Widersprüchen in diesem Zusammenhang bietet die Theory of Constraints ein Werkzeug, die Dilemma-Wolke. Mit ihr lässt sich jedes Problem als ein Konflikt zwischen zwei gegensätzlichen, sich ausschließenden Handlungsweisen darstellen (Dilemma).
Es sind sich alle einig, dass Ziel A erreicht werden soll. Um A zu erreichen, müssen die Voraussetzungen B und C erfüllt werden. B und C haben wieder die Handlungen D und D’ als Voraussetzung; D und D’ allerdings schließen einander aus.
Beispiel: „mit lokalen Effizienzmessgrößen arbeiten“ und „auf keinen Fall mit lokalen Effizienzmessgrößen arbeiten“ schließen sich aus.
Eine Grundaussage der TOC ist, dass solche Konflikte nur aufgrund von – möglicherweise seit langer Zeit etablierten – Denkfehlern bestehen und dass jeder Konflikt / jedes Dilemma zu einer Win-Win-Lösung gebracht werden kann, wenn der zugrundeliegende Denkfehler gefunden wird.
Erst wenn dieser „Denkfehler“ identifiziert ist, kann Einigkeit hinsichtlich der Lösungsrichtung bestehen.
Anhand der so gefundenen Lösungsrichtung kann die Lösung direkt abgeleitet oder zumindest überprüft werden.
Bei der Arbeit mit der Dilemma-Wolke zeigt sich die Kraft strenger Logik. Dieser Methode im Umgang mit Widerständen zu folgen hat einen erstaunlichen Effekt: Der Widerstand wird nicht gebrochen. Er wird gewissermaßen in die Konzeption „hinein geholt“. Gegenargumente werden visualisiert und logisch „durchgespielt“. Diese Strategie nimmt harsch vorgetragenen Argumenten den emotionalen Wind aus den Segeln. Wir haben festgestellt, dass Führungskräfte, die mit ihren Widerständen auf Probleme aufmerksam machen, oftmals bereits die Lösung der Probleme kennen – und diese, wenn der Widerstand erst gewürdigt und bearbeitet worden ist, bereitwillig teilen. Aus dem scheinbaren Widerstand ist Mitwirkung geworden. Es besteht Einigkeit hinsichtlich der Lösungsrichtung.