Auszug aus "Goldratt und die Theory of Constraints" von Uwe Techt.
Paradigmenwechsel ist Strategiewechsel – aber Strategiewechsel ist mehr als Paradigmenwechsel. Die Anforderungen an eine sinnvolle Unternehmensstrategie haben wir bereits definiert. Eine Strategie muss nämlich zeigen, wie das Unternehmen - heute und in Zukunft – folgendes erreichen will:
Geld verdienen
Kunden / Märkte zufriedenstellen und begeistern
ständige Verbesserung betreiben
sichere Arbeitsplätze garantieren
profitabel wachsen
Kein Unternehmen gleicht dem anderen. Deshalb ist es nicht möglich, eine allgemeingültige Strategie für jedes Unternehmen aufzustellen. Dennoch gibt es eine generalisierte Grundstruktur einer sinnvollen Strategie, die sich aus den zuvor skizzierten Anforderungen ableitet.
Die Basis einer sinnvollen Unternehmensstrategie
Wie im vorangehenden Absatz dargestellt, sind ständige Verbesserung und Wachstum zwingende Bestandteile einer sinnvollen Strategie. Deshalb ein genauerer Blick zunächst auf diese beiden Aspekte:
Wenn man die Entwicklung der Innovationen und Verbesserungen in der gesamten Weltwirtschaft betrachtet, dann findet man eine exponentielle Entwicklung vor. Das bedeutet zwangsläufig, dass ein Unternehmen, das nicht nur heute sondern langfristig im Wettbewerb mithalten will, ebenfalls eine exponentielle Entwicklung der Verbesserungen und Innovationen bewirken muss.
Wenn aber das Unternehmen in dieser Geschwindigkeit verbessert, dann muss es auch entsprechend schnell wachsen, um die notwendige Bedingung „sichere Arbeitsplätze“ zu erfüllen.
Nicht von ungefähr schreibt daher Dr. Goldratt: „Bei der Analyse eines Unternehmens bin ich nur dann einigermaßen zufrieden, wenn klar wird, wie das Unternehmen innerhalb von vier Jahren seinen jährlichen Umsatz in jährlichen Gewinn verwandeln kann .“
Damit haben wir die Basis für eine sinnvolle Unternehmensstrategie etwas genauer definiert: Es ist ein Verbesserungsprozess erforderlich, der immer wieder durchgreifende Verbesserungen erzeugt.
Aber sind ein solches Wachstum und eine solche Entwicklung der Verbesserungen im Unternehmen überhaupt möglich?
Solange Manager dem weitverbreiteten Irrtum folgen, dass die Optimierung von Teilen automatisch zur Optimierung des Ganzen führt und sie das gesamte Führungs- und Managementsystem des Unternehmens darauf aufbauen - solange ist eine solche Entwicklung nicht möglich. Die Energien des Unternehmens sind auf zu viele Baustellen verteilt, die zu sehr darauf ausgerichtet sind, Kosten zu senken, statt den Durchsatz zu steigern.
Ein Unternehmen, dass das Prinzip der „inherent Simplicity “ verstanden und verinnerlicht hat, arbeitet engpassorientiert. Es hat kosten- und effizienz-dominierte Kennzahlen durch ein durchsatzorientiertes Kennzahlensystem ersetzt und verwendet – je nach Geschäftsmodell – Konzepte wie Drum-Buffer-Rope, Pull-Distribution oder Critical Chain Projektmanagement.
An der Basis einer sinnvollen Unternehmensstrategie steht also immer ein Paradigmenwechsel, der das Unternehmen aus der Welt der „lokalen Optimierung“ (die Optimierung von Teilen führt automatisch zur Optimierung des Ganzen) in die Welt der „ganzheitlichen Optimierung“ (nur die Optimierung in Bezug auf den Engpass führt automatisch zur Optimierung des Ganzen) bringt.